Hapa Trail

Es ging schon historisch los: Treffpunkt des heutigen Ausfluges war St. Raphael, die älteste katholische Kirche Kaua’i’s, 1841 gegründet, zwei Jahre nachdem von den Franzosen in Honolulu die freie Glaubensausführung für ganz Hawai’i eingefordert wurde. Die erste Steinkirche wart 1842 erbaut, der noch heute bestehende, kappellenartige kleine Altarraum dann 1854 errichtet. Die Haupt-Kirche wurde dann 1992 vom Hurrikane Inki zerstört und in der neuen Version erst 2012 wieder eröffnet. Ich traf mich mit also Victoria rechtzeitig, um ein wenig den heiligen Hügel zu erkunden; viele kleine und große Gebäude gab es zu sehen und ein wunderschön angelegter Park mit allerlei katholischen Sehenswürdigkeiten gab es auch zu erkunden. Doch so viel Zeit hatten wir nicht, schnell nochmal Pipi machen und los ging es zu unserer heutigen archäologischen Führung.

Mit einem knuffigen älteren Archäologen, ich meine Dr. Hallart Hammet war sein Name, ging es auf den “Hapa Trail”, ein heutiger Wanderweg, der vor über 150 Jahren angelegt wurde, um das einzigartige Feld- und Bewässerungssystem rund um Koloa zu durchqueren. Der kulturhistorischer Weg, verband einst die Bevölkerung von Koloa-Town mit der Küste von Poipu. Das Gebiet zu beiden Seiten vom Hapa Trail wurde intensiv bewirtschaftet und war durch die ausgeklügelte Wasserzufuhr äußerst produktiv. Zuckerrohr, Taro und Süßkartoffeln florierten. Auch wenn der gealterte Archäologe nicht immer ganz mit “neumodischen Kram” wie Mikrophon und Lautsprecher auf Rädern klar kam, hatte er doch allerhand zu erzählen und meinte sogar, dass er da mit uns zum Teil auf 1500 Jahre alte Relikte blickt.

Das etwa 380 Hektar große Koloa-Feldsystem liegt auf einer großen Pahoehoe-Ebene aus basaltischer Lava (glatt gewellte Basaltmassen), die sanft von Koloa zur Küste abfällt. Die Hawaiianer in Koloa bauten auf dieser trockenen, felsigen Ebene reichlich Feldfrüchte an und nutzten dafür ein ausgeklügeltes und ausgedehntes insgesamt 160 Kilometer langes ʻAuwai-System (Bewässerungsnetz). Dieses ʻAuwai-System und die intensive Bewirtschaftung von „landwirtschaftlich ungeeignetem Land“ unterscheiden das Koloa-Feldsystem von allen anderen Feldsystemen auf den Hawaii-Inseln und in ganz Polynesien.

‘Auwai’ waren ausgedehnte, hochentwickelte und sorgfältig angelegte Kanäle; das Wasser kam aus der Bergmitte Kaua’i’s und schlängelte sich vor allem durch Koloa im Waikomo Steam zu den Irrigationssystemen. Diese wurde auf nacktem Fels oder sehr harter, mit Steinen bedeckter Erde angelegt. Die Seitenwände bestanden aus gestapelten Steinen, oft mit Erde als Unterlage; Erde und Gras wurden auch verwendet, um die ‘Auwai gegen Wasserlecks abzudichten.

Die Kanäle verzweigten sich dendritisch über das gesamte Gebiet, ähnlich einem umgedrehten Baum. Unser Tour-Guide erklärte es uns immer wieder so: Aus einem Kanal wurden zwei, aus zweien dann vier, aus vier acht und so weiter über die ganz Ebene. Viele ‘Auwai sind noch heute sichtbar und teilweise gut erhalten. Wir sahen viele dieser lustigen Steinhaufen, doch entlang des Weges nur selten noch sowas wie einen “echten Kanal”. Dieses Bewässerungssystem ist wirklich ein tolles Beispiel prähistorischer hawaiianischer Errungenschaften im Bereich der Wasserbautechnik und Landwirtschaft.

Am Ende der Tour gab es von dem “Koloa Community Association” und dem “Hapa Trail Restauration Commitee” noch eine leckere hawaiianische (allerlei Obst und Kekse) Verköstigung und alle saßen ein noch eine Weile quatschend zusammen (genauso wie es zu Beginn von der St. Raphael Gemeinde Donuts und Kaffee und Wasser zum Frühstück gab). Das machte jedenfalls total Spaß mal so gesellig archäologischen Spuren zu folgen, müsste mal öfter machen!