Voll Fett! Nahrung ist Medizin

Manchmal macht es Sinn ein paar Schritte zurück zu treten, um das große, ganze Bild erfassen zu können… Beispielsweise, wenn man bei einer “Diät” nur ans Abnehmen denkt, konzentriert man sich nur auf das i-Tüpfelchen – denn eigentlich ist die erwünschte Anpassung des Gewichtes nur die Belohnung, dass man seinem Körper etwas Gutes getan hat!

Nehmen wir nun die ketogene Ernährung, sie ist eine sehr kohlenhydratarme, dafür aber fettreiche Diät, die viele Ähnlichkeiten mit der Atkins- und Low-Carb-Diät aufweist. Bei “Keto” wird die Kohlenhydrataufnahme drastisch reduziert und durch (gute) Fette sowie Proteine ersetzt. Ballaststoffe, Salat, Gemüse, Nüsse, Fermentiertes und Obst runden das Angebot ab. Im westlichen Nahrungsmittelangebot essen wir hingegen beinahe rund um die Uhr Kohlenhydrate – da kann der durchschnittliche Mensch kaum mehr sein Fett zur Energiegewinnung verbrennen – und kriegt sein Fett demnach auch schwer weg! 😉 Der Körper verbraucht nämlich zuerst Energie aus den angebotenen Kohlenhydraten, weil sie schneller verfügbar ist – und erst danach könnte der Körper auf seine Fettreserven zurückgreifen, dazu kommt es dann aber meisten nicht mehr. 😉

Die moderne Ernährung mit verarbeiteten Lebensmitteln, raffiniertem Getreide, Zucker und gehaltvollen Getränken liefert also Unmengen an Glucose (und Fructose). Diese Kost füllt die Glykogenspeicher in Leber und Muskeln ständig auf, lagert den Überschuss vermehrt als Fettreserven an, begünstigt Entzündungen, oxidativen Stress und Insulinresistenz. Eine starke Kohlenhydratreduzierung versetzt den Körper in den Stoffwechselzustand namens Ketose: Sobald alle zugeführte und gespeicherte Glucose verbraucht ist, sinkt der Blutzuckerspiegel – und das Hormon Glukagon wird ausgeschüttet, welches zum einen den Blutzuckerspiegel aufrecht halten kann, aber auch die Fettverbrennung fördert, indem es die Freisetzung von gespeicherten Fettsäuren aus den Fettzellen anregt. Diese Fettsäuren werden dann in der Leber zu Ketonkörpern umgewandelt und dienen nun als alternative Energiequelle.

Ist KETO also die Lösung für alles!? Der Körper wird auf jeden Fall dankbar sein! Ketogene Ernährung kann bei einigen Krankheiten als Therapieform eingesetzt werden und vielen Erkrankungen vorbeugen! Beispielsweise wird die Ketose bei neurologische Erkrankungen, wie medikamentenresistenten Epilepsien im Kindesalter, sehr erfolgreich genutzt. Inzwischen wird ein positiver Einfluss der Ketose auch bei anderen Krankheiten, wie Akne, anderen Hauterkrankungen, Alzheimer, kardiovaskulären Erkrankungen, Parkinson, dem polyzystische Ovarialsyndrom und Krebserkrankungen vermutet – und deshalb auch immer öfter als Therapie angewendet! Viele Entzündungen gehen sowohl auf Grund verringerter Glucosezufuhr zurück, aber auch weil viele gesunde Fette antientzündliche Eigenschaften haben. Sogar das Darmmikrobiom optimiert sich und entzündliche Krankheiten im Darmtrakt als auch die gesamte Verstoffwechselung kann sich verbessern. Blutfettwerte, Blutdruck, Herzgesundheit, Fettverbrennung verbessern sich. Und das Altern?! Ja, auch dies kann theoretisch durch die gesamten positiven Einflüsse verlangsamt werden!!

Da Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Insulinstoffwechsel und Alzheimer herstellten und Demenz inzwischen auch als Typ-3-Diabetes bezeichnet wird, lohnt es sich auch hier einmal über eine Keto-Diät nachzudenken. Ursache ist ja ein “zu viel” an Zucker im Gehirn, was den dortigen Stoffwechsel negativ beeinflusst, neben Demenz übrigens auch Depression oder Fatigue verursachen kann. Die ketogene Ernährung versorgt uns mit Omega-3-Fettsäuren (antientzündlich), gewährt dem Hirn seinen Baustein Cholesterin, senkt Blutzucker- und Insulinspiegel. Der Stoffwechsel stellt sich wie im gesamten Körper auf “gute” Ketonkörper um, die dann statt der Glucose als Zell-Energie genutzt werden. Im Vergleich zur Glucose sind Ketone ein sauberer, effizienterer und gesünderer Treibstoff für das Gehirn; als Energiequelle für Hirnzellen reduzieren sie dann dort entzündungsfördernden oxidativen Stress, wirken sich durch neuroprotektive Eigenschaften und Stimulierung neuronaler Wachstumshormone positiv auf das Gedächtnis und das kognitive Denkvermögen aus – was darauf schließen lässt, dass gesunde Fette ein Schlüsselfaktor sind, um die Gesundheit des Gehirns im hohen Alter sicherzustellen.

Neben den positiven Einflüssen auf das Gehirn ist diese Diät super hilfreich beim vorbeugen und behandeln des metabolischen Syndroms, welches mit Typ-2-Diabetes verbandelt ist. Es sind die großen Gesundheitsrisiken der Gegenwart, wie hoher Blutzucker (durch Insulinresistenz), hohe Blutfettwerte (Triglyzeride), Bluthochdruck (Hypertonie), niedrige HDL-Werte (gutes Cholesterin), Fettleibigkeit (Adipositas). All diese Faktoren tragen wesentlich zu jenen Zivilisationskrankheiten bei, die für erhöhte Sterblichkeit verantwortlich sind. Eine Keto-Diät, die arm an Kohlenhydraten ist, könnte also diese fünf Symptome langfristig rückgängig machen, als auch einer weiteren “Zivilisations-Krankheit”, dem Krebs, in die Quere kommen.

Denn last but not least: Die ketogene Ernährung steht schon seit geraumer Zeit im Mittelpunkt der Krebsforschung und -behandlung, da sie das Tumorwachstum signifikant verlangsamen kann. Glucose ist (aber auch Abbauprodukte der Fructose!!) bekanntlich ein Stoff, der den Wachstum von Krebszellen antreibt, weshalb es vorteilhaft ist, die Kohlenhydratzufuhr einzuschränken und den Spiegel des Wachstumshormons Insulin drastisch zu senken, dadurch den Krebszellen ihren Treibstoff zu nehmen, was Prävention sowie Bekämpfung von Krebs unterstützen kann.

Was ich gelernt habe: Optimierte Ernährung ist die beste Medizin!! Mein Stoffwechsel und mein Geschmack haben sich tatsächlich nach und nach auf Low Carb umstellen können. Wenn ich heute mal mehr Kohlenhydrate esse, vor allem abends, fühle ich mich mitunter zu voll und recht unwohl. Mit fettreicher Nahrung habe ich kaum ein verdauliches Problem. Und so esse ich vor allem Abends gerne Gemüse oder einen bunten Salat mit Nüssen und einem guten Stück Fleisch! Lecker! Ich fühle mich fit und gesund, auch weil ich “Keto” mit intermittierendem Fasten kombiniere. Mein Sättigungsgefühl ist übrigens spannend – wenn ich was mit “schnellen Zuckern” esse, denn das passiert mir Naschkatze tagsüber schonmal, habe ich sehr schnell wieder Hunger, hehe, das ist dann dumm gelaufen, äh, dumm gegessen…