Wenn man einmal den Blick auf etwas gelenkt bekommen hat, was irgendwie unschön ist, lässt man es plötzlich nur schwer wieder aus den Augen! Ja, der Anblick wird gar quälend! Wir haben die meisten Gardinen seit sechs oder sieben Jahren, die hingen da immer so rum. Und letztens erwähnte mein Mann plötzlich, dass die ja eigentlich alle zu lang wären und dass das ja schon irgendwie schräg das aussähe. Hmm, stimmt! Stimmt sogar sehr. Oh man, wie sieht das denn aus!? 😉 Seit dem dezenten Hinweis versuchte ich immer wieder darüber hinweg zu sehen, was aber meist nicht klappte, wir haben ja nun mal in jedem Raum Fenster, haha, und die waren alle so komisch verhangen!
Mir fiel schon schnell nach der Entdeckung dieses stilistischen Fauxpas ein, dass eine Freundin mal von einer Nähmaschine sprach. Ich schrieb sie gleich an, ob sie das Gerät noch hatte und sie bejahte es. Es dauert ein wenig, bis wir uns dann auch wirklich über den Weg liefen, immer wieder konnte der eine oder der andere nicht. Schlussendlich stoppte sie auf der Durchreise zur Stadt kurz vor dem Haus, drückte mir schnell die Maschine in die Hand und fuhr weiter.
Als ich mit dem handlichen Teil ins Haus kam, wurde ich irgendwie komisch fragend angeguckt: “Wo ist denn das Kabel?”. Hmm, gute Frage! Und auch das Fußteil musste ja wo sein. Im besten Fall ist ja beides eins, hmm, war es wo eingebaut? Nee, dazu war die Maschine auch zu klein. So hochmotiviert wie ich da war, so schnell setzte die Enttäuschung ein. Ich musste nochmal drei Tage auf die Anschlüsse warten. Und auch erst dann fiel mir ein, dass ich ja Garn bräuchte, aaaah, also musste ich das auch noch bestellen! Ich fand ein wunderschönes Starterpacket, das jedoch eine Woche braucht, bis es auf die Insel kommt.
Und dann der große Moment, mit einer Rolle weißen Garns ausgestattet dachte ich mir, könnte ich ja mit einer hellen Gardine anfangen! Nööööh… die Maschine wollte nicht, da hakte oder klemmte was oder vielleicht beides. Eine Nöhmaschine! Ich fragte die Besitzerin, wann sie denn das letzte mal benutzt wurde, nun, es waren anderthalb Jahre. Mir dünkte, dass ein wenig Öl es richten könnte. Nur wohin damit? Dank “youtube” bekam ich eine Idee, wo was sitzt. Und auch eine online-Handbuch half mir weiter. Ich machte die große Ölung und siehe da, “de nääääht”!
Ich schnappte mir die erste Gardine, schnitt sie auf die richtige Länge und begann sie umzunähen – es klappte! Oberfaden, Unterfaden, hach, fadenscheinig ließ ich die Maschine rattern. 😉 Die ersten beiden Vorhänge waren jene, auf dem Boden schleifenden von meinem Kleiderschrank; dann rotierten wir die Gardinen innerhalb der Räume, so wurde unser Ankleidezimmer beispielsweise mit jenen aus dem hinteren Wohnzimmer verhangen. Und die aus dem vorderen Wohnzimmer, die waren so breit, dass sie nicht nur kürzer, sondern auch schmaler gemacht werden konnten – und dann konnte ich aus den dünnen verbleibenden Streifen einen Vorhang für den Kleiderschrank im Gästezimmer machen!
Nach acht dekorativen Stoffstücken war die Garnrolle leer. Arbeitsstopp! Nun muss ich auf das bunte Set warten bevor ich die zweite Näh-Aktion starten kann … näh, wat war dat schomma schön! 🙂