(18.06.15) Sonnenschein, glattes Meer, ja das schreit förmlich nach Kajak fahren. Ich hatte gestern Helena und Luis gesagt, wenn sie heute wirklich von ihrem Kajakausflug zurück kommen, dann mach ich ihn morgen. 😉 Die beiden entschieden, dass ich heute schon mitkomme. Ich hatte in der vietnamesischen Halong Bucht ja erstmals das zweiseitige Paddel geschwungen und es für spaßig befunden. Allerdings waren die Boote hier eher aus Spielzeugplastik gegossen und die Paddel, hm, es waren hölzerne, einseitige Wasserknüppel, von denen meins noch am ehesten seinem Namen gerecht wurde. Ich sah das kajakerprobtere Pärchen fassungslos auf ihre überdimensionierten Kochlöffel blicken und dachte nur verstohlen, dass ich meins nicht hergebe, ich muss ja auch allein ‘paddeln’. Meins, meins, meins…! Und los ging’s. Ich brauchte ein wenig, bis ich den Rhythmus hatte, puh, das alte links-rechts-rüberhebe-Spiel wo man bekloppt von wird. Wir wollten zur der der Küste vorgelagerten kleinen Insel, eine mangrovenbewachsene Sandbank durch deren Mitte ein Fluss führen soll. Wir kamen den Umständen entsprechend gut drüben an, versuchten uns den Weg durch die Mangroven zu suchen und mussten schon an einer Stelle erst der Strömung entgegenarbeiten und dann aussteigen, weil es zu flach wurde. Hmm, das Wasser verlässt also nach und nach die Insel… Am Ende des schwindenden Flusses erblickten wir endlich sowas wie einen Strand. Wir sprangen frohlockend auf’s Trockene und merkten, dass Schwimmen hier schon mal nicht möglich ist, der Ozean ist nur knöchel- bis wadentief. Wir erblickten eine Sandbank in der Ferne und beschlossen weiter zu paddeln. Und dann endlich: Düne, Schwimmen, Sonnen. Irgendwann hielt ein Fischerboot in unserer Nähe, ließ zwölf Frauen über unser kleines Eiland gen großer Insel waten und zogen ihr Gefährt hinter sich her. Sie wollten im Vorbeigehen auch noch mit uns fotografiert werden, bevor sie auf Krabben-, Muschel- und Seegurkenfang gingen. Putzige Bande. Wir sonnten uns weiter und als wir dann mal so um uns guckten, hatte der Herr der Gezeiten großflächig ganze Arbeit geleistet. Ebbe. Sand. Wir saßen auf dem Trockenen und beschlossen langsam mal unsere Kajaks in schiffbares Gewässer zu zerren und zurückzupaddeln. Ich als alte kroatische Seebärin schlug einen anderen Weg ein als Helena und Luis, die dann ziemlich schnell abtrieben – ein ordentlicher Wind und Wellengang machte es den beiden schwer. Ich merkte auch, dass ich mein Bötchen auf kein Fall zu quer legen durfte, es fing nämlich sofort an zu kippeln. Mit unseren Paddeln konnten wir da scheinbar gar nix reißen. Helena gestikulierte wild, ich beschloss zu den beiden zurück zu fahren. Sie kämpfen sich zurück zum Sand und ich bin dann über ein Riff, musste aussteigen und das Bötchen da durchziehen, autsch autsch autsch, so scharfe Kanten. Wir saßen fest, cast away. Eine der längstkommenden Muschelsammlerinnen sagte, wir sollten doch den Kapitän fragen, ob er uns abschleppt. So geht Schlepptau also, nun gut. Er kam dann auch nach zwei Stunden zurück an sein Boot und wir tasteten uns behutsam fragend an ihn heran. Der Fischer meinte, er müsste erst sin Fru fragen. Er gab uns zu essen, sagte wir sollten besser in sein nun ebenfalls gestrandetes Boot hüpfen und verschwand für weitere zwei Stunden. Wir sagten im Ressort bescheid. Irgendwann kamen nach und nach die Frauen von überall her – und mit ihnen endlich die Flut. Es dauerte eine weitere Stunde bis sowohl angehäuftes Meeresgetier als auch durchnässte Menschen an Bord waren. Es wurde dunkel. Wir waren alle durchgefroren. Aber allen wideren Umständen zum Trotz war es eine Wonne den Fischern, ihrer Arbeit und ihrem Miteinander beizuwohnen. Ein schönes, sehr herzliches Erlebnis, auch wenn wir es bibbernd erlebten, gehörten wir heute zur Gemeinschaft. Zurück am Ressort wurden wir von den drei Volunteers sehnsüchtig mit Lampen am Strand erwartet, auch das Essen war schon für uns vorbereitet. Ob wir den Tag doof fanden?! Da hasse aber Sand dran! Ende gut, alles gut!




