Wir saßen in unserem Kirchensaal in Poipu und ließen die Predigt nachwirken, als mein Mann plötzlich sagte: “Do you wanna go to Germany?” Ryan ist mit dem sechsten Sinn gesegnet und wenn er so was “seltsames” sagt, werde ich hellhörig – und panisch! Wir fingen beide an zu weinen. Mein Papa lag auf der Intensivstation in Friedrichshafen, länger als erwartet, sollte er doch nur zwei-drei Tage intensiv liegen – wenn alles gut geht. Wie sich Wochen später beim lesen des Klinikbericht herausstellte, begannen um diese unsere emotionale Zeit herum einige Organe an zu versagen, weshalb er keine 12 Stunden später notoperiert wurde! Und ich nochmal 12 Stunden später im Flieger gen Zürich saß. One-Way-Ticket und mit komischen Verbindungen – aber Hauptsache man kommt an, zeitig.
Die Not-OP war Montag morgen ich saß dann Dienstag morgen im Flugzeug von Lihue über Denver über Washington DC nach Zürich! Von da aus noch ein wenig, ca 2 Stündchen, mit dem Zug nach Friedrichshafen und weiter mit dem Bus zur Klinik! Es war ein 24 stündige Reise bis ich auf der Intensivstation ankam, Punktlandung! Papa war wach und total verkabelt und verschlaucht – und eben auch geschlaucht!
Am gleichen Tag hatte auch meine Stiefmutter, die später auf die Intensivstation hinzu kam, Geburtstag, so dass wir zusammen dann erstmal das Klinikum verließen, mit dem Bus nach Langenargen tingelten, ich mich einrichtete und duschte und wir dann noch lecker Vietnamesisch zur Feier der Tages essen gingen.
Die nächsten zwei Wochen machte ich es mir auf der Couch bequem. Manche Tage fuhr ich mit Stiefmutter zusammen ins Krankenhaus, manchmal alleine, abends drehte ich meine Runden durch Langenargen, machte zwei mal tagsüber kurzes Sightseeing, einmal Friedrichshafenhafen und einmal Wasserburg. Ersteres war an einem Freitag Nachmittag und die Promenade war sehr, sehr voll- da bin ich dann schnell wieder weg, hab mir nur einen kurzen Snack in einer Nebenstraße gegönnt und bin auch nicht mehr ins Zeppelin-Museum, nächstes Mal! Wasserburg hingegen war ganz ruhig, bin da an einem Vormittag für ein Stündchen rumspaziert, einfach um nochmal ein anderes Örtchen kennen zu lernen. Check.
Papa kam übrigens schon ziemlich schnell nach meiner Ankunft auf die normale Station, naja, nicht ganz normal, es war die Private, mit Cafeteria und super Versorgung! Leider konnte ich nicht so lange bleiben, bis er entlassen wurde, denn dieser Termin stand lange nicht fest. Immer wieder wurde sein Bauchraum geöffnet, nicht wieder ganz verschlossen und wir immer wieder vertröstet… Und obwohl ich davon träumte ihn aus der Klinik abzuholen und nach Hause zu fahren platzte diese Blase schlussendlich. Ich flog am Donnerstag (nach 15 Tagen Aufenthalt) zurück – und er wurde tatsächlich am Freitag entlassen, also ganz echt knapp verpasst!
Ich hatte dann auch noch ein Abenteuer, buchte recht spät den Rückflug, entschied mich für einen Flug aus Frankfurt, wohin ich erst von Lagenargen aus mit der Bahn fahren musste. Ich fuhr auch extra früh los, weil ich natürlich mit der DB das schlimmste befürchtete – und tatsächlich fiel der erste Zug aus und ich musste umplanen, konnte aber in Ulm noch einen guten ICE bekommen, der mich pünktlich nach FRA Airport brachte – von wo ich direkt nach LA flog und weiter nach Lihue.
Und so kam Papa nach acht OPs sowie Eingriffen in knapp vier Wochen Klinikaufenthalt wieder nach Hause – und ich wieder auf die andere Seite der Welt. Vater-Kind-Wochenenden mal anders…