Nats/ April 13, 2021/ an eastside story

Wir wollten dieses Jahr noch einmal mit Stars und Sternchen groß rauskommen … heißt: unser unteres Appartement kategorizieren lassen! 😉 In Kroatien ist es so, dass du deine Unterkunft zur Vermietung bei der Stadt anmeldest, allerhand Unterlagen präsentierst, gleichsam einen Antrag stellst – und dann kommen die werten Bürokraten raus und schauen sich die betreffenden Räume an. Wir hatten den Vorgang vor ein paar Jahren mit unserem oberen Objekt durchgeführt, was damals ziemlich einfach war – einmal durch die Räume schlawienert, lucki gucki gemacht und schon fertig eingeschätzt: drei Sterne, alles deluxe! Es konnte gleich mit dem Tourismus los gehen.

Nun ist ein neuer Kategorizator in der Stadt. Er hat Listen. Und er gehört zu einer neuen Generation. Da wird abgehakt und abgeschätzt und streng bewertet. Bisschen Spielraum ist da, aber manchmal nur ein allzu geringer. Ich habe das kleine Appartement mit viel Liebe eingerichtet, habe mich diebisch an kleinen Gimmicks, Farbspielen, Küchenutensilien und Einrichtungsgegenständen erfreut – und dann kam er und guckte nach Schema F. Oder eben: Schema K…

K…ategorisiert wurde mein Kleinod dann gleich auf nur zwei (mickrige) Sterne. Nicht der Standard war zu niedrig, sondern die Decke. Kam er sich, halbwegs groß gewachsen, etwa vor wie Gulliver in Lilliput? Für drei Sterne bräuchte man 2,40 Meter Höhe – ja will ich die Sterne denn hochstapeln?! Jedenfalls war ihm die Decke nicht nur nicht hoch genug, sondern auch noch zu hässlich. (“Ich gib dich gleich unschön…!!”) Für mich war die Decke eigentlich immer “vintage”, das muss so, ist “balkanesischer” Chic. Nein, glatt muss es sein. Aalglatt ist ja auch der Kategorizator. Deshalb wohl auch rutschfeste Teppiche im Bad. Und Vorleger am Bett, Kabelschächte nicht vergessen, Evakuierungsplan!!!! Und ganz wichtig: Das “Bitte nicht stören”-Schild.

Ich sagte mir innerlich auch: Störe er doch bitte nicht meinen bis dato hochmotivierten Vermiet-Frieden! Der große Kategorizator schrieb alles akkurat nieder und gab mir 30 Tage Frist. Ich kam mir vor wie in Deutschland, haha, dabei sind Fristen in Dalmatien mehr oder minder bedeutungslos gewesen, wo doch das beliebteste, nationalheilige Wort “pomalo!” (gemach!) ist.

Wir starteten dennoch mit allem recht flux, deutsch-amerikanische Tüchtigkeit. Fliesen rund um die Toilette galt es zu kleben, weil es abwaschbar und hygienisch sein musste. Alles andere war ebenfalls schnell erledigt, haben auch einen neuen Kleiderschrank gekauft, weil man zehn Kleiderbügel hängen können muss und nicht nur derer fünf. Ich dachte mich kriegen se…

Gekriegt haben wir dann am Ende natürlich auch zwei Sterne. Locker… 😉 In der Kücke versteckten wir eine unschöne Beton-Beule unter einer ausgeklügelten Lichtinstallation. Nur die Decke im Schlafzimmer mussten wir professionell von einem Fachmann glätten lassen. Sie ist jetzt noch niedriger, weil abgehangen!! “Gulliver” kam aber nicht mehr in unser Liliput, Fotos per mail reichten ihm, gut so, er wäre im renovierten Raum stehend eventuell sogar noch zum waschechten Scheinriesen mutiert…

So eine schöne glatte Decke!! Aber Tur Tur wäre sicher scheinbar ein Riese hier! 🙂
Vintage oder auch balkanesischer Chic 🙂