Nats/ March 17, 2021/ an eastside story

Mein Opa hat oft vom “Sistem Dzigibao” geflachst, wenn er Vorgehensweisen am Balkan im Allgemeinen und in Dalmatien im Besonderen verulkte. Vieles erschien schon immer entweder viel zu kompliziert oder viel zu vereinfacht. Es war oft eine verquere Welt in die ich eintauchte, wenn ich aus dem organisierten Deutschland zu meinen Großeltern kam.

Nun habe ich wieder mal ein perfektes Beispiel “balkanesischer” Irrationalität erlebt und würde tagelang schenkelklopfend Lachen, wenn es nicht ausgesprochen ärgerlich wäre…

Es trug sich einmal zu, dass Kroatien in die EU wollte – und musste vor dem Beitritt gewaltig aufräumen. Plötzlich galt es in die Jahrzehnte andauernde sozialistische Schludrigjkeit Grund und Ordnung zu bringen. Ein Großteil des Chaoses bezog sich dabei auf das hiesige Baurecht, darunter Baugenehmigungen und auch Grundbucheinträge. Letztere waren oft nicht ordnungsgemäß abgeschlossen und es galt zu beweisen, wem was warum gehörte – was noch bis heute oft zu Dramen führt.

Außerdem waren “Schwarzbauten” im vergangenen Jahrhundert eigentlich Gang und Gäbe. Nicht weil die südlichen Kroaten zwingend den Papierkram umgehen wollten, es war mehr aus der Verzweiflung heraus, weil sie wussten, dass die Leute vom Bauamt sowieso nicht in die Pötte kommen würden. Gebaut wurde hier seit jeher drauf los, Architekten brauchte man oft nicht, denn wenn die ungetupften Dalmatiner was konnten, dann war das Häuser aus Beton und Stein bauen. Bombenfest. Gerne an Hängen, Asbest-Dach drauf, fertig!

Vor Eintritt in die EU mussten nun alle illegal gebauten Häuser legalisiert werden. So ging das ja nunmal wirklich nicht, es herrschen schließlich Zucht und Ordnung in der europäischen Union! 😉 Und so wurde alles was keine Baugenehmigung hatte nachträglich abgesegnet. Dabei wurden nicht nur die korrekt gebauten Gebäude nun endlich ordnungsgemäß eingetragen, nein, auch schräge Schwarzbauten kamen so zu einer dubiosen Legalität.

Doch die Dinge dauerten…dauern noch…! Und auch mein Opa hatte einen Anbau nicht genehmigt bekommen. Nach viermaligem beantragen, baute er dann nach zwei Jahen einfach drauf los – hatte er doch den Architekten bemüht und alles richtig eingestielt. Kurz vor Eintritt in die EU 2013 fiel mir als Alleinerbin ein, dass da was fehlte. Ich beantragte alles – und warte heute nach siebeneinhalb Jahren immer noch auf den Bescheid. Nebenwirkung der nachträglichen Legalizierung: Das ganze Haus ist heutzutage als illegal angesehen, die ursprüngliche allererste Baugenehmigung ist durch den Anbau laut neuem kroatischem Recht nichtig.

Ich habe nun also kein legales Haus und zudem im Grundbuch nur ein Baugrundstück ohne Gebäude eingetragen. Immerhin gehört es mir offiziell! Nun wollte ich einen Parkplatz als “ergänzende Konstruktion” bauen. Bei dem gleichen Mann, der mir die nachträgliche Genehmigung erteilen muss stellte ich nun einen Antrag auf Bauerlaubnis meiner schnöden “Park-Terrasse”.

Dadurch, dass aber auf meinem Grundstück offiziell noch “nichts gebaut ist”, ist nun der Parkplatz das “Hauptgebäude” – und braucht nun eine entsprechend umfassende Genehmigung, welche dem Erschließen der Parzelle durch einen Neubau gleich kommt. Ein Architekt muss nun diese tolle 40-Quadratmeter-Betonplatte ausarbeiten, es müssen Strom- und Wasserleitungen mit eingeplant werden.

Der Mann vom Bauamt weiß, dass diese Absurdität nur passiert, weil er seit sieben Jahren meinen Antrag nicht abgestelmpelt hat. Er hat beide Akten aufeinander liegen. Eine dicke und eine dünne. In seinem Büro Stapeln sich übrigens die Akten, er versteckt sich auch gerne dahinter. Ich habe nun einen “Beschleunigungsantrag” gestellt. Der (ver)alte(te) Antrag geht nun auf’s Festland. Es wurde beinahe gefeiert, als ich das Schreiben überreichte – weil ich damit nämlich das Bauamt(büro) der Insel um eine “Belastung” erleichtert habe.

Ich werde nun also mein Parkplatz als “Hauptgebäude” bauen müssen und das Haus wohl dann nachträglich als “Nebengebäude” eintragen lassen. Wenn das Festland-Amt dann soweit ist. Ein System Dschigibao wie es im kroatischen Buche der Wahnwitzigkeit steht. Ich werde Strom und Wasser weg lassen, obwohl, ich könnte ja eine Waschanlage…hmm…