Nats/ September 11, 2020/ eastside stories

Schon als Kind war ich fasziniert – in einer bedrohlichen Weise allerdings – als mir bewusst wurde, dass die Insel Vis, wie alle anderen Inseln in Dalmatien, leicht entflammbar war. Ich erinnere mich, wie mein Großvater für die Stadtverwaltung überall am Wegesrand Schilder anbrachte, die eben vor möglichem Feuer warnen sollten. Und auch davor, welches zu entfachen. Keine Streichhölzer wegwerfen! Schon gar keine entzündeten!

Und doch gab es Brände; und es schürte stete Ängste. Was, wenn sich das Feuer vom Berg hinunter in unsere Bucht rollte. Feuerwalze, ick hör dir knistern!! Rund um unser kleines Dörfchen Milna brannte es in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder – und es war stets der Zusammenhalt der Gemeinde, die Feuerwehr zu Land und aus der Luft, sowie abebbender Wind der schlussendlich das Dorf bewahrte. Beinahe eingekesselt waren wir bereits zwei mal.

Gestern stieg im Sonnenuntergang Qualm auf. Drei Hügel weiter. Ich wusste, dass der Wind das Feuerzünglein an der Waage sein würde. Und ich wusste, das drei Hügel im Nu nur zwei Hügel und dann ein Hügel entfernt sein können. History repeating.

Der Wind stand gut. Für uns. Unser Nachbardorf hingegen musste zittern. Es hatte ja bereits das ganze Jahr über hier kaum geregnet. Das Feuer loderte, durch den starken Maestral-Wind angefacht, schnell und gnadenlos – und rollte fast schon genüsslich den Berg hinab. Bis auf 100 Meter, in einem Bereich auch nur 50 Meter von den Häusern am Rande von Podstrazje entfernt.

Da es gerade angefangen hatte zu Dämmern, war klar, dass die löschende Verstärkung aus der Luft keine Chance mehr hatte zu helfen. Somit waren die Feuerwehrleute vor Ort gefragt und zum Teil auf die traditionelle Hilfe der Bewohner angewiesen. Während die städtischen Brandbekämpfer sich auf dem entflammten Hügeln verteilten, war das Volk damit beschäftigt die Bereiche um die bedrohten Häuser zu wässern.

Gegen 23 Uhr war es vollbracht, nur kleine Glutnester schimmerten noch in der Dunkelheit, teilweise überstrahlt von den flackernden Lichtern der wachenden Feuerwehrautos. Wir gingen halbwegs beruhigt zu Bett, et hätt noch immer jot jejange…

Unscharfe Schnappschüsse aus der Dämmerung, nun gut, immerhin links der Hügel von unserem Dorf aus gesehen mit dem beginnenden Feuer, rechts die fast gelöschte Walze über dem Nachbardorf. Und heute ist es dort sicher schwarz, sehr schwarz…