nats/ February 2, 2020/ on the other side

Sonntags fühle ich mich neuerdings als Marge Simpson. Wie es sich in einer amerikanischen Kleinstadt gehört, geht man am Morgen des siebten Tages in die Kirche, was ich eben vor allem von den Simpsons-Comics kenne, haha, und nun von uns.

Eigentlich suchten wir eine nette Kirchengemeinde in unserer Nähe, um um Weihnachten herum etwas christlicher die Feiertage zu begehen. So wie ich in Deutschland am Heiligen Abend gerne in die Christmette gehe, dachten wir an einen “Christmas Service” auf Kaua’i. Mit Jingle Bells! 😉

Ein paar Wochen vor Jahresende begannen wir uns also vorzutasten. Spirituell wohlgemerkt, waren auch recht gespannt, wie eine hawaiianisch protestantische Gemeinde so tickt. Sie tickt übrigens anders. Wo bei uns zum Gottesdienstbeginn die Glocken geläutet werden, ruft hier das Gemeindemitglied mit der lautesten Stimme ein einladendes “Aaaaloooooooooooo-ha!”

Nachdem dann alle brav ihre Plätze eingenommen haben, geht es gleich musikalisch los: Wieder aufstehen und gemeinsam singen! Und bei diesem ersten und meist sehr fröhlichen-gospeligen Lied wird dann zugleich groß begrüßt: Man läuft entweder durch die Kirche und grüßt die anderen oder man bleibt wo man ist und lässt sich begrüßen. Ein großes Händegeschüttel und Geumarme, ein großes Hallo!

Anschließend wird 45 Minuten gemeinsam weiter gesungen, christliche Lieder, schöne Chöre, begleitet von Schlagzeug, Bass, Ukulele natürlich und Gitarre. Letzteres spielt der Pastor selber und leitet auch singend die Gemeinde an. Was dann folgt ist seine Predigt, bei der der hawaiianische Hirte seine hiesigen Schäfchen oft lebensberatend bespricht, stets im Namen Jesu Christi sowie des Herren und gespickt mit Bibelversen oder coolen Geschichten.

Da wir eine sehr schöne Weihnachtsfeier erlebt und viele nette Menschen kennengelernt hatten, schlagen wir dort nun alle paar Sonntag auf und sagen wieder mitsingend “Hallo!”. Und manchmal nehmen wir auch weise Botschaften mit nach Hause, beeindruckt hat mich jüngst die Ansicht, dass man eigentlich besser keinen “Plan B” in der Tasche hat, weil sonst eventuelle Schwierigkeiten in der Verwirklichung eines “Plan A” dazu verleiten, schnell auf die Ausweich-Ausführung zurückzugreifen. Fand ich sehr einleuchtend – wie viele Menschen wohl ihren Plan B zu ihrem Plan A gemacht haben, einfach, weil er einfacher erschien?

Unlängst gab es sogar mal eine Taufe. Und zwar auf eine mir noch nicht vertraute Weise: nämlich am Strand! 🙂 Sieben Gemeindemitglieder meldeten sich für den vergangenen Sonntag als Täufling an. Ich war super neugierig und wollte diesem Sakrament auf jeden Fall beiwohnen.

Und siehe da, ich erlebte biblisches. Es war zwar nicht der Jordan, sondern der Pazifik, aber das Prinzip war das gleiche: Der Täufling wurde be-betet, dann ins Wasser geführt und von zwei “Messdienern” rücklings in den Ozean getaucht. Der Pastor fing den Gedöppten quasi auf und half ihm geweiht wieder auftauchen, herrlich. Es ist so bereichernd, neue Dinge zu erleben, vor allem wenn sie eigentlich sehr alt hergebracht und gar historisch sind. Hach…Halleluja!